Marokko
   
 
Skibergsteigen im Atlasgebirge Marokkos März 2003

Skibergsteigen in Marokko: Ein außergewöhnliches Bergerlebnis

Im hohen Atlas bestieg Marion Lohse mit Skiern den Djebel Toubkal (4167m)

 

Schon lange reifte in mir der Plan, einmal zum Skibergsteigen nach Marokko zu fliegen. Die Gebirgskette des Hohen Atlas mit dem höchsten Gipfel Nordafrikas, des 4167m hohen Djebel Toubkal, sollte das Ziel sein.

Gut trainiert reise ich im März diesen Jahres mit meinem Begleiter über London nach Marrakech. Wir sind die einzigen Fluggäste mit Skiern. Ist auch ein wenig außergewöhnlich für eine Reise nach Marokko. Beim Anflug auf Marrakech erkennen wir die Silhouette des schneebedeckten Atlasgebirges, das Endziel unserer Reise. Am Flughafen werden wir vom Tourguide Muhamed abgeholt und in eine einfache Unterkunft in Marrakech transferiert. Nach dem Einchecken nutzen wir die Gelegenheit zu einem Altstadtbummel. Wir tauchen ein in das orientalische Flair dieser Stadt. Marrakech wurde im 11. Jhd. von den Almoraviden gegründet. Die Medina (Altstadt), stark geprägt im 12. Jhd. von den Almohaden, und die im 20. Jhd. von den Franzosen angelegte „ville nouvelle“ sind Gegensätze, wie sie ausgeprägter nicht sein könnten. Das Wahrzeichen der Stadt, dass berühmte Minarett der Kontoubia-Moschee, besuchen wir als erste Station, ehe wir auf den berühmtesten Platz Marokkos, die „Jemaa el Fua“, gelangen. Tausende von Touristen tummeln sich hier und lauschen den Geschichtenerzählern und Musikern, schauen den Schlangenbeschwörern und Affenbändigern zu, oder laben sich an dem vielseitigen Obstangebot und den frischgepressten Orangensäften, die einfach köstlich schmecken und sofort unsere volle Aufmerksamkeit genießen.

Um einen tiefen Einblick in das Stadtleben zu erhalten, nehmen wir uns am nächsten Tag einen offiziellen Tourführer, der uns zu Fuß fünf Stunden durch die Stadt führt. Wir lernen den Königspalast und den Präsidentenpalast mit seinen üppigen Ausstattungen kennen, besuchen eine alte Koranschule und zum Schluss lassen wir uns zum Einkaufsbummel durch die engen Gassen der Souks treiben. Wir genießen das geschäftliche Treiben und Feilschen. Teppiche, Lederwaren, Kupferartikel, Schmuck und schmiedeeigene Artikel bestimmen das vielfältige Warenangebot. Viele, viele Eindrücke nehmen wir mit, die wir alle bestimmt erst nach der Tour verarbeiten werden können. Auf dem Platz „Jemaa el. Fua“ rückt gegen 18:00 Uhr eine Garküchen Karawane an. Innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich der Platz in ein Riesenrestaurant. Fast 100 Garküchen bieten ihre Köstlichkeiten an. Fisch, Fleisch, Gemüse und andere Delikatessen laden zum Probieren ein. Es schmeckt alles vorzüglich und wir könnten noch stundenlang in dieser Atmosphäre verweilen.

Am nächsten Morgen geht es mit einem klapprigen Renault Richtung Atlasgebirge. Wir fahren 40 km durch fruchtbares Ackerland. In der Ferne löst sich langsam der Hochnebel und der imposante Hohe Atlas mit seinem schneebedeckten Gipfeln erhebt sich vor uns. Nach 60 km erreichen wir den Ort Imlil, das Bergsteigerzentrum im Atlas und Ausgangspunkt für verschiedene Bergtouren. Auf einer abenteuerlichen Fahrt geht es weiter bis zum Bergdorf Around. Hier wohnen wir in Muhameds Haus. Der erste Stock ist für uns Bergsteiger sehr komfortabel eingerichtet, während im übrigen Haus die Familie Muhameds in ganz einfachen Verhältnissen lebt. Wir erwarten noch unsere Bergkameraden aus Ruhpolding mit unserem gemeinsamen Führer Georg Sojer. Sie sollen abends ankommen und wir nutzen einmal wieder die Gelegenheit, um das Bergdorf kennen zu lernen. Wir besuchen die Grundschule des Ortes, die Kinder freundlich und neugierig, wie wir selbst. Vor der Moschee sitzen die Alten des Dorfes in der Sonne und erzählen sich die neuesten Geschichten. Am Abend lernen wir unsere sechs Bergkameraden kennen. Wir besprechen gemeinsam mit dem einheimischen Führer die Wetter- und Schneesituation. Wir beschließen zuerst eine Zweitagestour mit einer Hüttenübernachtung in einer einfachen Berghütte.

Am nächsten Morgen geht der „Trek“ dann endlich los. Mit drei Mulis, die das Gepäck und die Skier transportieren, drei einheimischen Trägern und unserem Bergführer Omar beginnen wir das „Abenteuer Hoher Atlas“. Die Wege und Pfade sind steil und steinig und wir müssen unsere Kraftreserven mobilisieren, um die ersten Stunden zu bewältigen. Die Ausblicke, die sich uns zeigen, sind beeindruckend. Mächtige Berggipfel um uns herum, aber leider relativ wenig Schnee. Nach einer kurzen Mittagsrast gehen wir mit den Skiern auf dem Rücken 250m einer Geröllhalde hoch, ehe wir die Skier anschnallen können. Die Felle greifen gut und in vielen Spitzkehren geht es Richtung Gipfel. Das Gelände ist steif und der Schnee hart. Ohne Harscheisen geht es nicht. Nach acht anstrengenden Stunden stehen wir glücklich auf dem 3500m hohen Tizi Likemt und genießen die Aussicht auf die übrigen Berge bis hinauf auf den Toubkal, den wir in den nächsten Tagen ja noch besteigen wollen. Die Skiabfahrt belohnt uns dann für den anstrengenden Aufstieg. Wir beladen die Mulis und laufen in das einfache Bergdorf Tascheddirt in 2100m Höhe. Das Dorf hat keine Wasser- und Stromversorgung. Wir sind froh nach 11 ½ Stunden endlich in unsere Schlafsäcke kriechen zu können.

Am nächsten Morgen wollen wir den 3800m hohen Tamda besteigen. Die Verhältnisse sind sehr schwierig, Schnee ist Mangelware und wir müssen lange über steile Geröllhalden laufen. Ab 2800m können wir die Skier anschnallen und bis zur Schneegrenze auf 3650m aufsteigen. Da die Zeit drängt fahren wir sofort wieder ab, denn wir müssen vor der Dunkelheit zurück in Around sein. Ein langer, kraftraubender Rückweg. Nach zehn Stunden sind wir in Around. Uns erwartet ein köstliches Abendessen, zubereitet von Mohameds Familie. Unser nächstes Ziel ist die „Neltner Hütte“ auf 3200m Höhe, der Ausgangspunkt zum Toubkal (4167m), dem höchsten Berg im Hohen Atlas. Auf dem Weg zur Hütte kommen wir durch den Wallfahrtsort St. Chambaruch mit einem gewaltigen weißen Stein, der bei Krankheiten wunderheilen soll. Der Aufstieg ist wieder lang und anstrengend, aber als wir zum ersten Mal das „Rifugio Neltner“ sehen, gehen wir beschwingt die letzten Höhenmeter zu der für diese Gegend komfortable Hütte. Wir bleiben zum Relaxen auf der Hütte und versuchen Kraft für den morgigen Aufstieg zum Toubkal zu sammeln.

Aufgeregt beginnen wir den nächsten Tag. Unsere heutige Skibergtour ist im wahrsten Sinne des Wortes „Höhepunkt“ unserer Reise. Durch ein Hochtal geht es steil zum Gipfel. Felle und Harscheisen geben uns die nötige Sicherheit. Nach 3 ½ Stunden legen wir auf 3950m ein Skidepot an und steigen ohne Ski die letzten 200 Höhenmeter zum Gipfel auf. Belohnt werden wir oben mit einem überwältigenden Blick in die südmarokkanische Wüstentäler. Nach einer herrlichen Firnabfahrt kehren wir zum Rifugio Neltner zurück. Nachmittags unterrichtet uns bei praktischen Übungen unser Bergführer in Lawinenkunde. Eine lehrreiche und interessante Unterweisung.

Am letzten Tag steigen wir mit Omar direkt von der Hütte durch eine steile Rinne in einem großen Talkessel an dessen Ende wir zu einer Scharte auf 3800m hochsteigen. Eine wunderschöne Firnabfahrt beschließt diese außergewöhnliche Tourenwoche. Wir steigen ins Tal ab und kehren am nächsten Tag nach Marrakech zurück. Mit unseren Bergkameraden feiern wir den Tourenerfolg und genießen das geschäftige Treiben in der Altstadt. 

Nach einer erlebnisreichen Skitourenwoche fliegen wir mit vielen,  originellen Souvenirs

( € 198 Übergepäck !!! ) im Rucksack via London nach Frankfurt nach Hause.

Kontaktbild
06124 3041

E-Mail an das Reisebüro

Wir stehen Ihnen von
Mo. - Fr. 09:00 - 18:00 - Sa. 10:00 - 13:00 Uhr gerne zur Verfügung.