Expedition: Ägypten


Ein (Expeditions-) Reisebericht von Andreas Zimmer


Mai 2007: Ein Jahr nach Beginn der Planungen meiner Reise mit dem Clubschiff AIDA blu im Nordland, war es wieder einmal so weit, das Fernweh überkam mich und erneut wurden die Reisekataloge gewälzt. Schließlich kristallisierte sich Ägypten als Reiseziel immer mehr heraus. Nachdem alle Informationen über Ägypten eingeholt waren, unter anderem über die Sicherheitslage, buchte ich eine 14-tägige Rundreise durch Ägypten. Diese setzte sich aus einer neuntägigen Nilkreuzfahrt durch Oberägypten und einer fünftägigen Reise durch Unterägypten zusammen. In Unterägypten waren die wichtigsten Stationen Kairo und Alexandria, wobei in Oberägypten wirklich alle bedeutenden Stationen von Abydos bis Abu Simbel auf dem Programm standen.

Bereit für ein neues Abenteuer ging es dann am Dienstag, den 4. September endlich los. Nachmittags startete die Maschine der Egypt Air von Frankfurt/Main nach Luxor über Kairo. Bereits der Flug war ein Highlight, da es der erste meines Lebens war. Der Erfüllung meines lange gehegten Wunsches, das Land am Nil zu erkunden, stand nun nichts mehr im Wege.....

Im Folgenden möchte ich die schönsten Eindrücke meiner Reise festhalten und Revue passieren lassen.

Abends um ca. acht Uhr landete die Maschine in Kairo, wo uns die Mitarbeiter von Phönix Reisen schon erwarteten und sich um die Einreiseformalitäten kümmerten (Visa). Anschließend ging es mit rund einer Stunde Verspätung nach Luxor, wo ich um zwei Uhr morgens endlich am Schiff ankam. Das Schiff legte auch sogleich ab zur ersten Station unserer Reise und ich fiel nach der langen Reise regelrecht in die Federn, denn es blieb nur wenig Zeit zum Schlafen, da für acht Uhr die erste Besichtigung geplant war.

Mittwoch, 5. September: Hathor-Tempel in Dendara und Osiris-Heiligtum in Abydos. Unser erster Ausflug führte uns am Mittwoch zum Hathor-Tempel in Dendara und zum Osiris-Heiligtum in Abydos. Unsere noch etwas verschlafene Reisegruppe wurde im Bus zunächst einmal von dem Reiseführer begrüßt. Tamer, ein Ägyptologe, sollte uns für die nächsten neun Tage auf all unseren Expeditionen begleiten und in die Geheimnisse Altägyptens einweihen. Vorweg sei schon einmal gesagt, dass es großen Spaß gemacht hat, zu seiner Gruppe zu gehören, die übrigens den Spitznamen „Tut-Tut" bekommen hat, da das Schiff, auf dem wir unser Quartier bezogen hatten, „MS King Tut II" hieß. Die ca. zweistündige Busfahrt zum Tempel von Abydos war ein Erlebnis, was bei mir durchaus gemischte Gefühle auslöste. Unser Bus wurde von einer Polizeieskorte begleitet, an Kreuzungen hatten wir immer Vorfahrt und so rauschten wir ohne zu halten über die staubigen Straßen Oberägyptens. Die Leute auf der Straße, ob spielende Kinder oder Erwachsene, die z.T. auf Eselkarren dahinfuhren, winkten uns freundlich zu. Andererseits entsteht ein mulmiges Gefühl, wenn man über den Grund für diesen besonderen Schutz nachdenkt. Dennoch fühlte ich mich zu keinem Zeitpunkt unsicher.

                                   

  

Am Abend dieses Tages war es dann so weit, ich erlebte meinen ersten Sonnenuntergang auf dem afrikanischen Kontinent, ein unvergesslicher Augenblick, wenn die rote Sonne im Westen hinter den Bergen des Tals der Könige versinkt und sich die Palmen am fruchtbaren Nilufer deutlich als schwarze Umrisse abzeichnen.

Donnerstag, 6. September: Karnak

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des Widderköpfigen Reichsgottes Amun. Wir besichtigten den nicht fern vom Anlegeplatz unseres Schiffes gelegenen Karnak Tempel. Dieser dem Reichsgott Amun gewidmete Tempel, war einer der Größten und Schönsten, die wir besichtigten. Im Laufe der Jahre wurde dieser Tempel von jedem Pharao, darunter Ramses II und Hatschepsut erweitert, bis er schließlich zu überwältigender Größe angewachsen war, die wir noch heute bewundern können. Es ist schlicht weg atemberaubend, durch die berühmte Säulenhalle durchzuschreiten, den Kopf in den Nacken gelegt und nach oben starrend. Die riesigen Obelisken, von Königin Hatschepsut errichtet, sind ein weiteres Zeugnis der Baukunst der alten Ägypter. Bei der Ton- und Lichtshow am Abend erstrahlte der Tempel noch einmal in einem ganz anderen, mystischen Licht.

Freitag, 7. September: Tempel des Horus in Edfu und Kom Ombo

Auch den Horus-Tempel sollte man unbedingt gesehen haben. Steht man direkt vor dem ersten Pylon, kann man nur mit offenem Mund staunen. In einem Gang, der rund um den Kern der Anlage führt, gibt es einen Zugang zu einer Art Höhle, wo die Priester den Wasserstand des Nils ablesen konnten. Es heißt, dass eine Frau, wenn sie sich in diesen Raum begibt, bald darauf Schwanger wird. Das hielt manche Frau meiner Reisegruppe davon ab, auch diesen Teil des Tempels zu besichtigen.

Am Abend, kurz vor Sonnenuntergang, besichtigten wir den auf einer Anhöhe direkt am Nil gelegenen Tempel von Kom Ombo. Es entstand eine wunderschöne Atmosphäre, als der Tempel in kräftige rot-orange Töne getaucht wurde.

Samstag, 8. September: Unvollendeter Obelisk, Kalabscha Tempel, Staudamm von Assuan und Tempelinsel Philae

An diesem Tag hatten wir volles Programm. Meinen persönlichen Höhepunkt erlebte ich mit dem Besuch der Tempelinsel Philae. Obgleich sich die Tempelanlagen doch alle von der

Grundstruktur her ähneln, hat diese Insel ihren ganz besonderen Charme. Die Architektur eines Tempels ist so aufgebaut, dass sich der Tempel nach hinten verjüngt. Das Allerheiligste liegt ganz hinten, auf dem Weg durchschreitet man in einer geraden Linie mehrere Räume, die jeweils durch schwere Holztore abgetrennt waren, deren Verankerungen man noch in der Decke und im Boden sieht. Des weiteren erhob sich jeder dieser Räume jeweils um eine Stufe von dem Vorigen. Dies spiegelte die Hierarchie der Priester wieder, denn nur die höchsten Priester durften bis ins Allerheiligste vorschreiten, um mit den Göttern in Kontakt zu treten.

Die Ton- und Lichtshow am Abend verstärkte noch einmal diesen Eindruck. Die Show war so aufgebaut, dass die altägyptischen Götter, wie Nil und Isis im Dialog miteinander redeten, um dem Zuhörer die Geschichte des Tempels näher zu bringen. Als gerade von der Geburt des Horus die Rede war, fiel direkt über der Mitte des zweiten Pylons eine Sternschnuppe vom Himmel, dieser Augenblick lies mir die Nackenhaare zu berge stehen. Unvergleichlich und vielleicht können Sie meinen Wunsch erraten, wenn Sie dies lesen......

An einer Wand des Tempels, die in verschiedenen Farben illuminiert war, hatte sich eine kleine Eidechse an die von der Sonne aufgeheizten Steinblöcke gekrallt.

Sonntag, 9.September: Abu Simbel

Ein weiterer Augenöffner stellte der Besuch des Tempel des Ramses II dar. Wir fuhren schon um vier Uhr in der Früh mit den Bussen los, um einen wunderschönen Sonnenaufgang inmitten der nubischen Wüste zu erleben. Sand so weit das Auge blickt...

Nun stand ich vor den vier Kolossalstatuen Ramses II, die ich schon so oft im Fernsehen oder in Geschichtsbüchern betrachtet hatte! Keine Frage, es ist ein ganz besonderes und einmaliges Erlebnis, davor zu stehen. Man kommt sich wirklich klein vor, wenn man zwischen den beiden mittleren Statuen in das Innere des Tempel schreitet, indem ich leider keine Fotos machen durfte. Die Reliefs und Darstellungen an den Wänden waren von starker Ausdruckskraft, die Farben zum Teil noch so intensiv, als ob sie eben erst angebracht wurden. Ich würde sagen, dass es nahezu ein Verbrechen gewesen wäre, den Tempel nicht vor den Fluten des Nils zu retten, als der Assuanstaudamm gebaut wurde!

Auf dem Vorplatz stehend konnte man über den Nassersee blicken, wo man gut erkennen konnte, dass der Nil noch heute fruchtbaren Schlamm bis ins Nildelta spülen würde, wäre er nicht aufgestaut. Man sah deutlich einen braunen Absatz im Wasser.

Montag, 10. September: Kamelritt zum St. Simeonskloster und Besuch des nubischen Dorfes

Ein kleines Motorboot brachte uns an diesem Tag an das westliche Nilufer, wo die Kamele schon auf uns warteten. Das Kamel ward kaum erklommen, da ging’s auch schon nach oben, der lange Hals des Kamels, was übrigens den doch unerwarteten und wahrscheinlich untypischen Namen „Micky Maus" trug, reckte sich der Sonne entgegen. Nun zog die Karawane ca. 15-30 Minuten durch die steinige Wüste eine steile Anhöhe zum St. Simeonskloster hinauf. Nach der Besichtigung des Klosters wartete der weitaus schwierigere Teil, der Rückweg. Bis ich die richtige Technik herausgefunden hatte, mich festzuhalten, denn durch die steile Neigung rutschte ich immer näher in Richtung Hals von Micky und sah mich schon vor dem geistigen Auge am Hals klammernd, waren wir schon fast wieder unten angekommen. Zudem rutschte ich dem Halteknauf vorne am Sattel, der nicht den stabilsten Eindruck machte, immer näher, was schmerzlich hätte enden können. Indiana Jones lässt grüssen....

Mittwoch, 12. September: Tal der Könige, Tempel der Hatschepsut und Memnonkolosse

Die Besichtigung des Tals der Könige bildete den Schlussakkord der Nilkreuzfahrt, der schöner hätte nicht sein können. Auch mussten wir an diesem Tag Abschied von unserem lieb gewonnen Reiseführer Tamer nehmen, der uns viele interessante Dinge über die Tempel und auch über das Land Ägypten und seine heutigen Einwohner erzählte aber uns auch wertvolle Tipps gab, wie wir z.B. am besten gute Preise bei den fliegenden Händlern erzielen konnten und was wir besser nicht kaufen sollten. Dies ist übrigens eine wichtige Sache, wenn man an einem Andenken interessiert ist. Wer gleich ohne zu handeln den verlangten Preis bezahlt, kann sich sicher sein, dass er übers Ohr gehauen wurde. So handelte ich den Preis für eine Kalksteintafel von 100€ auf 2€ runter! Das ist ein tolles Gefühl, denn das nenne ich ein echtes Schnäppchen. Sobald die Verkäufer merken, dass man nicht bereit ist den Preis zu bezahlen und weggeht, laufen sie einem hinterher und man kann sich einigen. Aber zurück zu den Gräbern:

Wir besichtigten drei Gräber, unter anderem das des Ramses II. Die Luft in den Gräbern war sehr feucht und stickig aber der Anblick war jede Mühe wert. Die Farben leuchteten und waren so klar, als ob der letzte Handwerker des Pharao gerade aus dem Grab gekommen wäre. Schade, dass wir nur drei Gräber besichtigen konnten, denn der enge Zeitplan gab nicht mehr her und die Eintrittskarte berechtigte auch nur zum Besuch von drei Gräbern und das wohl berühmteste Grab ist darin nicht eingeschlossen, hier muss eine extra Karte für ca. 70 ägyptische Pfund (entspricht etwa 10€) gelöst werden.

Am 13. September verließ ich dann Oberägypten und landete gegen Mittag in Kairo. Auch hier wurden wir, meine Reisegruppe war auf insgesamt fünf Personen geschrumpft, von der Phönix Reiseleitung begrüßt und in unser Hotel gebracht.

Freitag, 14. September: Die Pyramiden von Gizeh und Ägyptisches Museum in Kairo

An Kairo muss man sich sicher erst einmal gewöhnen. Diese 20 Millionen Metropole, die auch „Die Siegreiche" genannt wird, ist nicht mit Luxor oder Assuan zu vergleichen. Alleine

der Verkehr ist für uns doch sehr gewöhnungsbedürftig. Die Straße zu überqueren ist schon ein Abenteuer für sich, purer Nervenkitzel. Eine rote Ampel ist eigentlich uninteressant, die Hupen der meist älteren Autos werden dort auch häufiger benutzt. Fußgänger wuseln zwischen den Autos umher, auch kleine Kinder. Erstaunlich, dass es dort nicht ständig zu Verkehrsunfällen kommt. Diese Megacity ist in keinster Weise mit einer westlichen Großstadt zu vergleichen!

Das nächste Highlight war dann die Besichtigung der großen Pyramiden von Gizeh. Obgleich es ohne Zweifel sehr beeindruckend war, um die Cheops Pyramide herumzulaufen, hatte ich mir dies doch etwas anders vorgestellt. Man hat bestimmte Bilder im Kopf und ohne es zu wollen zieht man Vergleiche. Die vielen Menschenmassen, die sich um den Pyramidensockel drängten, gehörten so z.B. nicht zu dem, was ich mir vorgestellt hatte. Auch war es etwas nervig, sich permanent der fliegenden Händler zu erwehren, die einem Postkarten oder andere „kostbare Artefakte" anboten. Deren Vorgehen war schon auffällig aggressiv. Das beste Mittel, sie los zu werden ist, sie einfach zu ignorieren, auch wenn das manchmal schwer fällt. So ging doch etwas von der Atmosphäre dieser Stätte verloren, da man sich nicht vollends dem eigentlichen Grund für den Besuch hingeben konnte.

Nächster Programmpunkt war der lang erwartete Abstecher in das Ägyptischen Museum. Nach einer kurzen Führung hatten wir Zeit, uns im Museum alleine umzusehen. Natürlich ging ich als aller erstes zu dem Goldschatz des Tutanchamun. Hier war alles zu sehen, die vergoldeten Schreine und natürlich die Maske des Kindpharaos. Ein besonderer Moment, ihm in die Augen zu schauen. Allerdings muss ich auch hier wieder leichte Kritik üben, denn die Kunstschätze, so finde ich, sind nicht standesgemäß präsentiert und teilweise auch aufbewahrt. Die Maske war leider nicht angestrahlt, sodass sie nicht glänzte und auch andere Fundstücke waren nicht ins rechte Licht gerückt. Auch hier heißt es glaube ich, dürfen nicht die Maßstäbe angelegt werden, die man bei einer Ausstellung in Deutschland verwendet, wie z.B. bei der Ausstellung „TUTANCHAMUN - Das goldene Jenseits" in der Bundeskunsthalle in Bonn 2004/2005.

Sonntag, 16. September: Alexandria: Katakomben, Pompejussäule und Bibliothek von Alexandria

An diesem Tag machten wir uns zu unserer letzen Station in Ägypten auf, in einer mehrstündigen Busfahrt fuhren wir in die Stadt Alexanders des Großen, nach Alexandria. Hier erhielt ich noch einmal einen ganz anderen Eindruck von Ägypten. Die Lage unseres Hotels, des Helnan Palestines, war unbeschreiblich schön. Das Hotel befand sich auf dem Areal des Königspalastes von Alexandria, des Montaza Royal Palace. Eine weiträumige, ruhige Parkanlage, direkt am Meer gelegen. Mein Zimmer war ein Traum von Marmor und edlen Stoffen, mit eigenem Balkon mit Blick auf die Bucht. Einschlafen und wach werden mit dem Rauschen des Meeres – herrlich.... Allerdings wurde beim Einschlafen das Meeresrauschen vom Muezzin übertönt, der vom Minarett rief, da dies die Zeit des Ramadans war und die Einheimischen die Nacht zum Tag machten. Aber das gehört einfach dazu, man will ja schließlich möglichst viel von der Kultur kennen lernen. Schade, dass wir nur eine

Nacht dort verbrachten, bevor es am nächsten Morgen über das Kloster Wadi Natrun zurück nach Kairo ging, wo die Maschine nach Frankfurt wartete.

Von den Programmpunkten an diesem Tag gehörte der Besuch der großen Bibliothek von Alexandria für mich zu den schönsten. So viele Bücher, vereint mit neuester Technologie, verpackt in modernste und für mich ansprechende Architektur. Sie wäre der alten Bibliothek der Antike sicher würdig.

Auch am Standort des alten Pharos, dem großen Leuchtturm der Antike zu stehen, aus dessen Steinen die Festung Qaitbay erbaut wurde, war ein besonderes Erlebnis. Ein abendlicher Spaziergang an der Strandpromenade unseres Hotels rundete den Tag ab.

Zusammenfassend bleibt also zu sagen, dass es eine wunderschöne Reise war, die mich an Erfahrungen bereicherte und mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird! Wenn einmal etwas nicht so lief, wie man es gerne gehabt hätte, half die Reiseleitung schnell und unkompliziert weiter, sowie das Hotelpersonal.

So eine Reise ist sicherlich einzigartig in ihrer Art, es ist nicht unbedingt pure Erholung quer durch Ägypten zu reisen, bei Temperaturen in Luxor von über 45°C aber ich kann behaupten, ziemlich viele bzw. die schönsten und wichtigsten Zeugnisse altägyptischer Baukunst und Kultur gesehen zu haben. Ich denke, man sollte schon ein gewisses Maß an Interesse mitbringen, wenn man die Reise in einer solchen Kombination bucht, da es einem ansonsten schnell zu viel werden kann, Tempel nach Tempel zu besichtigen. Für mich war das jedoch das erhoffte Abenteuer!

Auf ein Wiedersehen in Ägypten –

Inshallah – So Gott will!

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